Von Murphys Law, dem Bestätigungsfehler und vielen weiteren sogenannten Psychologie-Phänomene des Alltags haben Sie bestimmt schon einmal gehört, aber wissen Sie auch genau, um was es sich dabei handelt? Denn diese klassischen Phänomene leiten sich aus der Psychologie und Soziologie ab und beschreiben grundsätzlich meist überraschende Regelmäßigkeiten im Alltag. Eins ist dabei sicher, erlebt haben Sie die Auswirkungen der Phänomene sicherlich schon.
Deswegen haben wir hier die bekanntesten Psychologie-Phänomene noch einmal erklärt und sie anschließend von unserer Fernarzt-Psychologin Christine Schmeck einordnen lassen.
1. Holiday-Blues
Die Gefühle der Traurigkeit, die während der gesamten Weihnachtszeit anhalten, werden oft als Holiday-Blues bezeichnet. Zwar werden die Feiertage normalerweise als eine Zeit des Glücks und der Freude angesehen, für manche Menschen können sie aber auch eine Zeit der Traurigkeit, der Einsamkeit und der Depression sein.

Menschen, die bereits an einer psychischen Erkrankung leiden, sind sogar noch anfälliger für einen Holiday-Blues. Ganze 64 Prozent der Menschen mit einer bestehenden psychischen Erkrankung gaben an, dass die Feiertage ihren Zustand verschlimmern.
Bei einer Winterdepression, auch Winterblues genannt, handelt es sich um eine saisonale affektive Störung (SAD).
Holiday-Blues oder Winterdepression?
An folgenden Punkten können Sie erkennen, ob Sie der Holiday Blues gepackt hat oder Sie an einer Winterdepression leiden:
Wenn die Feiertage vorbei sind und Sie sich immer noch deprimiert oder ängstlich fühlen, sollten Sie mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin oder einer psychiatrischen/psychologischen Fachkraft sprechen, um festzustellen, ob es sich um eine schwerwiegendere Stimmungsstörung handelt.
2. Post-Holiday-Syndrom
Neben dem eben erklärten Holiday-Blues, gibt es auch das Post-Holiday-Syndrom, auch Post-Urlaubs-Syndrom genannt. Sie kennen es bestimmt auch, gestern lag man noch am Strand und hat einen Piña Colada geschlürft und auf einmal sitzt man wieder im verregneten Deutschland am Schreibtisch.

Das Post-Holiday-Syndrom beschreibt den Zustand, wie Beschäftigte direkt nach dem Urlaub ein Stimmungs- und Leistungstiefs im Job erleben. Das Stimmungstief wird ausgelöst, weil der Körper sich nach der Entspannung im Urlaub zuerst wieder an die Belastung des Arbeitsalltags gewöhnen muss.
Zudem sollten soziale Aktivitäten beibehalten werden. Hilfreich für Körper und Psyche ist außerdem körperliche Bewegung außerhalb der Arbeit sowie Entspannungstechniken oder Meditation. Außerdem können Betroffene aufatmen: Das Syndrom hält meist höchstens 3 Tage an.
3. Surface Acting
Das Surface Acting, auch Lächelmasken-Syndrom genannt, beschreibt das Verhalten, wenn jemand eine positive Stimmung vorgibt, um eine Fassade zu erhalten. Das Phänomen, wenn jemand schlechte Laune hat und sich trotzdem um ein freundliches Gesicht bemühen muss, kennt man besonders aus dem Servicebereich und dem Dienstleistungssektor.

Gerade Arbeitgeber sollten deswegen Maßnahmen ergreifen, um diese Auswirkungen zu verhindern. Dabei bieten sich Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden zum Umgang mit emotional anspruchsvollen Situationen oder das Schaffen von angenehmen Arbeitsbedingungen und einer wertschätzenden Atmosphäre an. Dies stärkt zudem das soziale Miteinander und die Kompetenzen bei alltäglichen Arbeitsanforderungen. Um Erschöpfung und einem generell negativen mentalen und körperlichen Wohlbefinden durch Surface Acting vorzubeugen gilt: soziale Unterstützung durch KollegInnen und Vorgesetzte.
4. Confirmation Bias
Der Confirmation Bias (dt. Bestätigungsfehler) beschreibt eine Art der kognitiven Voreingenommenheit bei den Informationen bevorzugt werden, die bereits bestehende Überzeugungen oder Vorurteile bestätigen. Dabei werden Informationen ausgeblendet, die die eigene Überzeugung widerlegen könnten.

Eine moderne Erscheinung, die sich besonders nach diesem Bias richtet, sind soziale Medien wie Facebook oder Instagram. Denn durch Algorithmen bekommen NutzerInnen meist solche Nachrichten angezeigt, die ihre Meinung und Interessen spiegeln.
Das führt zu der Tendenz, Informationen, die solche Konflikte auslösen würden, zu ignorieren oder zu unterdrücken. Diese selektive Wahrnehmung führt dann dazu, dass wir nicht unbedingt das sehen, was sich vor unseren Augen befindet, sondern das, was wir auf Grundlage unserer eigenen Erwartungen, Wünsche und Ängste sehen wollen. Dadurch kann die Möglichkeit unsere irrtümlichen Ansichten zu korrigieren, eingeschränkt sein und unsere Überzeugung fälschlicherweise gestärkt werden.
Tipp: In vielen Fällen ist die entstandene Verzerrung unerheblich und zieht keine schlimmen Folgen nach sich, bei schwerwiegenden Fällen hilft allerdings bereits das Wissen über diesen Denkfehler und das bewusste Hinterfragen der eigenen Wahrnehmung nach der Objektivität.
5. Murphy’s Law
Wenn man etwas sucht ist es immer da, wo man als letztes schaut.
Das Brot fällt immer auf die Butterseite.
Murphy's Law oder auch Murphys Gesetz ist wohl eins der bekanntesten Psychologie-Phänomene bei dem es heißt: Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. Diese Regel wurde nach dem amerikanischen Ingenieur Captain Edward A. Murphy benannt, der dieses Gesetz erstmals aufgestellt hat.

Weitere Punkte besagen:
Wenn etwas schiefgehen kann, dann geht es auch unweigerlich schief.
Gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie etwas schiefgehen kann, dann passiert es immer auf die Art und Weise, die am schlimmsten ist.
Hat man alle Möglichkeiten ausgeschlossen, bei denen etwas schiefgehen kann, eröffnet sich sofort eine neue.
6. Parkinson'sche Gesetz
Sie kennen das bestimmt auch: Wenn Sie üblicherweise für eine Aufgabe 30 Minuten benötigen und hierfür plötzlich 45 Minuten Zeit zur Verfügung haben, dann werden Sie in der Regel auch die 45 Minuten brauchen, um die Aufgabe zu erledigen. Wenn Sie hingegen nur 20 Minuten für die gleiche Erledigung haben, so schaffen Sie es voraussichtlich auch in dieser Zeitspanne.

Dieses Phänomen hat Cyril Northcote Parkinson, auf den das Gesetz zurückgeht, einst so formuliert: “Arbeit lässt sich wie Gummi dehnen, um die Zeit auszufüllen, die für sie zur Verfügung steht“.
Bloch A: Murphy's Law. Penguin 2003.
Himmelhoch JM: Holiday depression, both fact and fiction. Postgrad Med 1980; 68: 185–90.
Mental Health and the Holiday Blues. NAMI: National Alliance on Mental Illness. 2014. https://www.nami.org/Press-Media/Press-Releases/2014/Mental-health-and-the-holiday-blues (zugegriffen 25. Juli 2022)
Nickerson RS: Confirmation Bias: A Ubiquitous Phenomenon in Many Guises. Review of General Psychology 1998; 2: 175–220.
Pohl RF: Cognitive Illusions: A Handbook on Fallacies and Biases in Thinking, Judgement and Memory. Psychology Press 2012.
Stangl W: confirmation bias. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. 2021. https://lexikon.stangl.eu/10640/confirmation-bias-bestaetigungsfehler-bestaetigungstendenz (zugegriffen 25. Juli 2022)
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