Geschlechtskrankheiten werden in den meisten Fällen durch sexuelle Kontakte übertragen. Weitere mögliche Übertragungswege sind die vertikale Infektion – also Übertragung bei Geburt – und verunreinigte Injektionsnadeln oder Bluttransfusionen. Letztere werden in Deutschland seit Mitte der 80er Jahre auf viele ansteckende Krankheiten hin untersucht, so dass eine Infektion nahezu ausgeschlossen werden kann.
Hinsichtlich der Anzahl von Neuansteckung mit sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) werden in Deutschland lediglich HIV/AIDS, Hepatitis B und Syphilis durch das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst. Zahlen für Chlamydien, Gonorrhö oder Genitalwarzen können lediglich geschätzt werden. Die wenigen existierenden Zahlen weisen auf einen erheblichen Anstieg von STIs in Deutschland hin, jedenfalls bis Beginn der Corona-Pandemie.
Aufklärung ist die beste Prävention gegen Geschlechtskrankheiten, deshalb wollen wir hier den Wahrheitsgehalt einiger häufiger Mythen rund um STIs prüfen. Fernarzt klärt auf.
Chlamydien
Die Chlamydieninfektion (auch Chlamydiose genannt) ist die häufigste sexuell übertragbare Erkrankung. Sie wird auch als "stille Krankheit" bezeichnet, da sich Chlamydiensymptome oft nur schwer zuordnen lassen oder gar ganz fehlen. Dabei können Auftreten und Symptome von Chlamydien beim Mann anders sein als Chlamydien bei Frauen.
Gibt es eine Chlamydienansteckung ohne Verkehr? Sind Chlamydien in der Schwangerschaft gefährlich? Fernarzt klärt auf.
In Deutschland sind schätzungsweise etwa 100.000 Frauen ungewollt kinderlos durch die Folgen einer unbehandelten Chlamydieninfektion.
Humanes Papillomvirus (HPV)
Humane Papillomviren (HPV) können verschiedene Krebsarten auslösen. Das HP-Virus infiziert Haut- und Schleimhautzellen, wo es zu Veränderungen der Zellen führen kann. In der Regel verläuft eine Infektion unauffällig, wichtig ist jedoch eine regelmäßige ärztliche Kontrolle. Eine HPV-Impfung kann Ansteckungen vorbeugen, ein HPV-Test dient dem Nachweis der Erreger. Bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung wird u. a. auf Zellveränderungen des Gebärmutterhalses geachtet. Dabei können Krebsvorstufen erkannt und somit eine frühzeitige und erfolgsversprechende Behandlung eingeleitet werden.
Umgangssprachlich wird oft vom HPV-Virus gesprochen. Das ist nicht richtig, da in HPV (humanes Papillomvirus) das Wort “Virus” bereits enthalten ist. Korrekt heißt es HPV oder HP-Virus.
Genitalherpes
Genitalherpes, medizinisch Herpes genitalis genannt, wird durch eine Infektion mit dem Typ 2 Herpes-Simplex-Virus (HSV) ausgelöst. Das Virus wird in den meisten Fällen beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Es gibt auch Möglichkeiten, Genitalherpes ohne sexuellen Kontakt zu übertragen, etwa von Mutter auf Kind während der Schwangerschaft oder bei der Geburt.
Die ersten Symptome für Genitalherpes beim Mann sind meist Bläschen am Penis, Genitalherpes bei Frauen äußert sich anfangs durch Herpesbläschen an den außenliegenden Bereichen der Scheide. Schmerzen, Jucken und Brennen im Genitalbereich sind weitere häufige Symptome von Genitalherpes.
Schätzungen zufolge tragen 10 bis 30 Prozent der Weltbevölkerung das Herpes-Simplex-Virus (HSV) Typ 2 in sich; dieses kann Genitalherpes auslösen.
HIV & AIDS
HIV steht für Humanes Immundefizienz-Virus. Es schadet dem Immunsystem, indem es eine Unterart der weißen Blutkörperchen zerstört, welche normalerweise Infektionen bekämpfen. Dies birgt das Risiko für schwere Infektionen und bestimmte Krebsarten.
Heutzutage gibt es sehr gute HIV-Therapien, jedoch ist AIDS, also das Vollbild der Erkrankung, nicht heilbar und einem Todesurteil gleichzusetzen. HIV-Symptome sind – v. a. zu Beginn der Infektion – kaum vorhanden oder sehr unspezifisch. Deshalb sollte bei Verdacht auf eine Ansteckung schnellstmöglich ein HIV-Test gemacht werden.
Weltweit haben sich im Jahr 2020 rund 1,5 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. In ebendiesem Jahr sind 680.000 Menschen weltweit durch AIDS (bzw. durch mit AIDS assoziierte Erkrankungen) verstorben.
An einer HIV-Impfung wird seit Jahrzehnten geforscht – bisher leider ohne nennenswerte Erfolge. Aktuell werden mRNA-Impfstoffe gegen HIV getestet, jedoch stellen die Komplexität und hohe Mutationsrate des HI-Virus die Forscher vor sehr große Herausforderungen.
Übertragung von Geschlechtskrankheiten
In der Behandlung und Prävention von Geschlechtskrankheiten hat sich in den letzten Jahren, besonders was HIV anbelangt, viel getan. Unterschätzen darf man das Infektionsrisiko allerdings trotzdem nicht. Dabei ist es wichtig zu wissen, auf welchen Wegen Geschlechtskrankheiten übertragen werden und was man tun kann, um eine Infektion zu vermeiden.
Nur 1 von 10 Deutschen kennt die Geschlechtskrankheiten Chlamydien, Genitalherpes und Hepatitis B.
Geschlechtskrankheiten: Was Sie noch wissen sollten
Sexuell übertragbare Infektionen sind besonders heimtückisch, wenn sie vorerst asymptomatisch verlaufen, so kann es zur weiteren Übertragung der Erreger kommen. Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer Person, deren Gesundheitsstatus nicht hinreichend bekannt ist, sollte daher auf mögliche Ansteckungen hin getestet werden.
“Je früher Geschlechtskrankheiten diagnostiziert werden, desto besser sind sie behandelbar. Also ist auch bei einem leichten Verdacht die ärztliche Konsultation angebracht.”
Antworten auf häufige Fragen zu Genitalherpes. gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/antworten-auf-haeufige-fragen-zu-genitalherpes.html (zugegriffen 14. Januar 2022)
Basis-Informationen zu HIV, Aids und sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Deutsche AIDS-Stiftung. https://aids-stiftung.de/basis-informationen/ (zugegriffen 19. November 2019)
Berkowitz D: HPV and cancer: 9 myths busted. MD Anderson Cancer Center. 2015. https://www.mdanderson.org/publications/focused-on-health/FOH-HPV-myths.h14-1589835.html (zugegriffen 14. Januar 2022)
Chlamydien. LIEBESLEBEN. https://www.liebesleben.de/fuer-alle/sexuell-uebertragbare-infektionen/chlamydien/ (zugegriffen 14. Januar 2022)
Chlamydieninfektion - eine der häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen. pro familia. 2005. https://www.profamilia.de/fileadmin/publikationen/Reihe_Koerper_und_Sexualtitaet/chlamydien.pdf
Die Syphilis kehrt zurück: Was die Krankheit so tückisch macht. FOCUS Online. 2018. https://www.focus.de/gesundheit/news/syphilis-die-geschlechtskrankheit-kehrt-zurueck-so-erkennen-sie-die-krankheit_id_9922676.html (zugegriffen 14. Januar 2022)
Ebcinoglu F: Was ist dran an Mythen über HIV und Aids? Wir klären auf. Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW). 2018. https://www.dsw.org/mythen-ueber-hiv-und-aids/ (zugegriffen 14. Januar 2022)
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